Blog

Ganz unregelmäßig veröffentlicht der Vorstand hier Informationen, Wissenswertes und vieles mehr ...

Juni 2026

Umgang mit der AfD

Der folgende Beitrag ist die Meinung des 1. Vorsitzenden des Unternehmerverein Haven-Net e.V.

Geschrieben von Thomas Lindenau, 1. Vorsitzender, wird der Beitrag vom gesamten Vorstand mitgetragen.

Wirtschaft benötigt Demokratie, Offenheit und verlässliche Lösungen! Als Vorstand des Unternehmerverein Haven-Net unterstütze ich eine klare Haltung gegen Populismus und fordere zugleich eine handlungsfähige Politik.

Die klare Haltung von Bahlsen-CEO Alexander Kühnen im Umgang mit der AfD verdient Respekt. Wenn Unternehmerinnen und Unternehmer öffentlich für Demokratie, Offenheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt eintreten, ist das kein parteipolitischer Luxus, sondern Ausdruck unternehmerischer Verantwortung. Kühnen hatte sich deutlich von der AfD abgegrenzt und unter anderem betont, dass Positionen wie „Remigration“ für sein Unternehmen nicht akzeptabel seien. Zudem verwies er auf die Bedeutung von Fachkräften, offenem Handel und stabilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Unsere Mitglieder sind überwiegend kleine und inhabergeführte Unternehmen, auch mit Migrationshintergrund. Viele von ihnen tragen täglich Verantwortung: für ihre Kundinnen und Kunden, für Mitarbeitende, für Auszubildende, für Lieferanten und für die Region. Gerade diese Unternehmen wissen sehr genau, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht in Abschottung entsteht, sondern durch Vertrauen, Zusammenarbeit und Verlässlichkeit,

Die Positionen der AfD halte ich für populistisch und realitätsfern. Wer einfache Antworten auf komplexe Fragen verspricht, löst keine Probleme. Unternehmen erleben täglich, wie eng Wirtschaft, Gesellschaft und internationale Beziehungen miteinander verbunden sind. Im Einkauf sind längst nicht alle Waren lokal oder national zu beziehen. Lieferketten, Fachkräfte, Dienstleistungen und Märkte enden nicht an Stadt-, Landes- oder Bundesgrenzen. Wer hier mit Abschottung argumentiert, gefährdet am Ende genau das, was er vorgibt schützen zu wollen: Arbeitsplätze, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand.

Hinzu kommt: In Unternehmen arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten. Viele Kundinnen und Kunden haben einen Migrationshintergrund. Sie sind Teil unserer Betriebe, unserer Nachbarschaft und unserer Gesellschaft. Sie leisten ihren Beitrag, übernehmen Verantwortung und gehören selbstverständlich dazu. Eine offene und tolerante Gesellschaft ist deshalb nicht nur ein moralisches Anliegen, sondern auch eine praktische Grundlage für funktionierende Unternehmen.

Demokratie bedeutet aus meiner Sicht Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Respekt, faire Chancen für alle Generationen und Menschen. Unternehmen brauchen diese Grundlagen. Ohne demokratische Stabilität gibt es keine verlässlichen Investitionen, keine langfristige Planung und kein gesundes wirtschaftliches Umfeld.

Gleichzeitig müssen auch die demokratischen Parteien liefern. Viele Unternehmen spüren den Druck durch steigende Kosten, Fachkräftemangel, langsame Verfahren und eine Bürokratie, die in Teilen überfordernd geworden ist. Bürokratie hat grundsätzlich einen wichtigen Zweck: Sie schafft Verlässlichkeit, Gleichbehandlung und Rechtssicherheit. Doch wenn sie Betriebe lähmt, Innovationen bremst oder kleine Unternehmen unverhältnismäßig belastet, muss sie überprüft und vereinfacht werden.

Wir brauchen Reformen auf vielen Ebenen. Diese Reformen müssen zukunftsorientiert sein, wirtschaftliche Realität berücksichtigen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen sichern. Es reicht nicht, Populismus zu kritisieren oder nur populistische Antworten zu liefern. Die demokratische Politik muss zeigen, dass sie bessere, tragfähige und umsetzbare Lösungen bietet.

Für mich als Vorsitzender des Haven-Net ist klar: Die AfD bietet diese Lösungen nicht. Ich hoffe, dass Menschen und Unternehmen eine klare Haltung für Demokratie, Offenheit, Toleranz und Verantwortung zeigen – verbunden mit der ebenso klaren Erwartung an die demokratischen Parteien, die notwendigen Reformen mutig, sachlich, fair und zukunftssicher umzusetzen.